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Samstag, 10. Januar 2009

4874 Meter über Meer

In La Unión legten wir zwei velofreie Tage ein, damit Didi seinen Verdauungstrakt besänftigen konnte. Während dessen begab sich Adi auf Erkundungstour. Die Wanderung führte durch eine über der Stadt gelegene Hochebene. Verstreute Siedlungen, weidende Pferde und diverse Vogelscharen erinnern eher an die ungarische Puszta als an die peruanischen Anden.

Dunkelgraue Gewitterwolken bildeten die Kulisse für die Besichtigung der Überreste der Inkastätte Huánuco Pampa. Die Mauer auf dem Bild gehörte zu einem Tempel. Noch heute wird hier jährlich ein Fest zu Ehren der Sonne veranstaltet.


Um nach Huaraz und anschliessend nach Trujillo zu gelangen, waren ein letztes Mal hohe Andenpässe zu überqueren. Eine erste Tagesetappe ab La Unión führte uns nach Huanzala, eine auf rund 4000 Metern über Meer gelegene Bergbaustadt, wo wir in einer Bergarbeiterwohnung logieren durften.

Am nächsten Tag ging es bei schönem Wetter weiter aufwärts. Die einzigartige Berglandschaft mit Gesteinen in allen erdenklichen Formen und Farben entschädigte die Mühen des Anstiegs!


4874 Meter über Meer zeigte schliesslich Didis GPS-Gerät an der höchsten Stelle. Höher als der höchste Berg der Alpen, der Mont Blanc! Doch anders als bei uns in Europa ist hier die Planzenwelt in dieser Höhe noch erstaunlich vielfältig.


In dieser Umgebung könnte man Tage verbringen um die Eindrücke mit der Kamera festzuhalten! Leider verschlechterte sich das Wetter zunehmend, so dass einerseits die optimale Beleuchtung für Fotos fehlte, andererseits die aufziehenden Gewitter zur Eile antrieben.


Dunkle Wolken umhüllten uns. Die einsetzenden Hagelschauer gingen schliesslich während der Talfahrt in Regen über. Die letzten zwei Stunden unserer Königsetappe standen dann ganz im Zeichen von Durchnässung und eisiger Kälte. Während den gelegentlichen Zwischenstopps versuchten wir jeweils die gefühllosen Finger wieder einigermassen aufzutauen. Die Füsse liessen erst im Hostal mit einer warmen Dusche aufwecken.

Silvester / Neujahr

Bevor wir Huánuco verliessen, wurden wir von verschiedenen Seiten gewarnt, die Leute im kommenden Tal seien sehr unfreundlich und wir sollen auf keinen Fall wild zelten, lieber einen Bauern um Erlaubnis fragen, ob wir auf seinem Grundstück übernachten dürfen. Von dieser "Unfreundlichkeit" merkten wir auf der ganzen Strecke absolut nichts.

Kurz nach der Stadt waren Arbeiter daran, Bäume am Strassenrand zu fällen. Leider war nichts beschildert und so stoppten wir instinktiv, als vor uns eine Motorsäge aufheulte und kurz darauf ein Baum über die Strasse krachte.


Kurz vor Einbruch der Dunkelheit schauten wir uns nach einem ebenen Plätzchen um, um das Zelt aufzubauen. Ein kleines Mädchen kam zu uns hin und erklärte uns, ihre Abuelita (Oma) hätte ein Zimmer für uns. Kurz darauf bezogen wir so unser Indoor-Nachtlager im oberen Stock einer Lehmhütte. Das einzig beängstigende war der Boden, der bei jedem Tritt einige Zentimeter einsackte.


Der nächtliche Regen weichte die Strasse derart auf, dass der folgende Tag eine rechte Schlammschlacht wurde.


In Peru - so kam es uns vor - wird zwischen Weihnacht und Silvester durchgefeiert. Am 31.Dezember stiessen wir in jedem Dorf auf Silvesterkläuse, die maskiert und tüchtig angetrunken die Passanten (Rad, Auto, Car) aufhielten und sich so einige Soles für den nächsten Drink "ergattern" wollten. Am einfachsten kamen wir mit viel Anlauf durch solche Strassensperren.


Die Silvesternacht verbrachten wir dann in Chavinillo, einem kleinen Bergdorf, wo höchst selten ein Gringo auftaucht. Die Restaurantbesitzer Familie Muñoz nahm uns herzlich in ihre Runde auf und wir tranken einige Gläser Bier zusammen. Danach liessen wir mit einer maskierten Gruppe "Negritos" und mit Guggenmusik auf der Dorfplaza und in der Kirche das alte Jahr ausklingen. Als Abschluss wurden wir von den Muñoz zum Mitternachts-Mahl eingeladen, einer Suppe, Panetone und heisser Schokolade.


Leider begann dann der erste Januar für Didi mit einer erneuten "Magen-Darm-Störung" (-> nein, daran war nicht der Alkohol schuld!), weshalb wir nach einer kurzen Weiterfahrt in Tingo Chico Halt machten. Die einzige Verpflegungsmöglichkeit war eine Art "Snack-Bude", wo es als einzige Speise Pachamanca gab, eine traditionell in einem Erdloch auf heissen Steinen gegarte Spezialität Perus mit Kartoffeln, Erbsen, Fleisch und süssen Maistaschen. Auf unserem Teller landeten zwar nur ein paar trockene "Gschwellti" und ein Stück Schweinefuss, welchen wir hungrig abnagten, während uns durch das Blechdach der Regen auf den Kopf tropfte...

Tags darauf setzten wir die Reise durch das grüne Tal bis nach La Unión fort. Unterwegs machten wir im Dorf Pachas einen kurzen Halt um etwas zu trinken. Wir zählten dabei 40 Personen, welche sich um unsere Räder scharten und vor allem von der Strassenkarte extrem beeindruckt waren. Hierzulande kriegen die Schüler bestimmt keine "Schulkarte Peru".

Dienstag, 16. Dezember 2008

Unterkünfte

Im Dörfchen Tambo (gerade mal 80 Einwohner) verbrachten wir eine Nacht neben der Dorfkirche. Ein Anwohner brachte uns zwei Tassen heissen Kaffee, wärend wir unser Zelt aufstellten. Aber auch die restlichen Leute vom Dorf waren sehr neugierig und herzlich, luden uns später zu einem (oder zwei) Becher Caña-Schnaps ein und wir plauderten eine geraume Zeit auf dem Dorfplatz sitzend...


Auch den "Puesto de Salud" (Gesundheitsposten) als Übernachtungsvariante probierten wir aus. In Quillabamba erhielten wir je eine "Pritsche" als Nachtlager und genossen es, das Zelt nicht aufstellen zu müssen.

Speziell war auch, dass in einem Gebäude, welches in der Schweiz hochsteril wäre, Hühner und Hunde frei herumliefen und gelegentlich herausgescheucht wurden.



Nach zwei Stunden Fahrt im strömenden Regen erreichten wir das Bergdorf Ranracancha und erkundigten uns nach einer Unterkunft. So fanden wir das örtliche Hostal. Die Tür führte von der Strasse direkt ins Schlafzimmer, die Dusche war ein Wasserhahn im Innenhof und das WC ein buchseiten-grosses Loch im Boden des WC-Häuschens. Aufmerksam wurden wir auch auf das "telefono publico", das einzige Telefon im Dorf. Ruft jemand im Dorf an, wird per Lautsprecher der gewünschte Gesprächspartner ausgerufen. Das tönt dann ähnlich wie "Frau Meier, Frau Meier bitte ad Kasse 5".


Didi wunderte sich, warum sein Kissen in der Nacht immer vom Bett rutschte. Der Blick am Morgen unter die Matratze brachte des Rätsels Lösung: das Bettgestell bestand aus einigen Baumstämmen, Brettern und etwas Karton.


Die urchigste Übernachtungsvariante erwartete uns jedoch in Chontaca. Erst im Dunkeln erreichten wir das kleine Dorf und fragten im einzigen Restaurant, ob sie ev. ein Zimmer mit 2 Betten frei hätten. "Klar" sagte der Wirt, führte uns ums Haus herum zur Leiter, welche in den Raum über der Gaststube führte. Dort legten wir uns nach zwei grossen Tellern Reis zwischen Schaffellen, Stühlen, schnarchelnden Nachbarn im unteren Stock und einem ziemlich nachtaktiven Tier zur Nachtruhe.